Welche Kamera soll ich mir kaufen? Einsteiger-Tutorial zu deinem perfekten System

Welche Kamera soll ich mir kaufen? Einsteiger-Tutorial zu deinem perfekten System

Solltest du zufällig auf diesen Text stoßen, wirst du sicher schon viele Dinge zu verschiedenen Kameras gelesen, gesehen und gehört haben. Am besten vergisst du das alles, liest diesen Text und überdenkst daraufhin, was du bisher gehört hast. Klingt großmäulig? Möglich. Aber ich will ja nicht, dass du verwirrt bist… 😉

Vor einigen Wochen kam jemand auf mich zu und fragte mich “wenn ich so richtig fotografieren will, wie viel Geld muss ich da ausgeben?” Meine Antwort war: “Du hast doch ne Kamera?! Kennst du dich mit dem Ding aus? Nee? Was willste dann mit ner neuen Kamera?” Dieser Jemand wollte fotografieren lernen, indem er sich YouTube-Videos angeschaut hat und war schnell verunsichert. Verständlich, denn wenn man nicht weiß, was man dort suchen muss und “auf Verdacht” erstmal die großen anklickt, landet man unweigerlich und schneller als einem lieb ist in vielen detaillierten Ausrüstungsdiskussionen. Ist das so’n deutsches Ding? Oder so’n Männerding? Technik wird so lange totdiskutiert, bis deren eigentlicher Zweck – nämlich das Fotografieren – völlig in den Hintergrund tritt. Diesem Jemand antwortete ich: “Ich kann dir gern meine Sony Alpha 58 aus 2012 ausleihen, die reicht völlig.” Die Canon EOS 1100D dieses Jemands reicht also ebenfalls.

Nun kommt dieser Jemand aber unweigerlich zu dem Punkt, an dem man sich über eine Erweiterung des Objektivparks Gedanken machen muss. Und damit einher geht die Frage, ob man für das “alte” Canon EF-System jetzt noch Objektive kauft, oder ob man überschaubares Geld in eine (gebrauchte) Kamera mit zukunftssicherem System steckt.

Wenn du jetzt immer noch eine (neue) Kamera kaufen willst, dann lies weiter. Ich komm’ dann jetzt auch mal zum Thema…

1. Die Systemfrage!

Nein, ich möchte jetzt nicht politisch werden. Aber du musst dir zuallererst die Systemfrage stellen. “Mit welchem System will ich fotografieren?” Wenn du jetzt für 120€ eine super gebrauchte Sony Alpha 37 bei Ebay schießt, könnte das am Ende genauso falsch sein, wie stumpf eine brandneue Nikon Z7II für 3.500€ zu kaufen, ohne Plan zu haben, was du mit dem Ding eigentlich machen willst. Also setz dich, nimm dir nen Keks, mach’s dir schön gemütlich und überlege kurz, welche Systeme/Bajonett-Anschlüsse es gibt und welche Vor- oder Nachteile diese haben.

Wenn du dir diese Gedanken vorher machst, spart das im Nachhinein viel Geld, denn Systemwechsel sind teuer und gehen meistens mit Verlust einher. Und auch wenn halb YouTube und tausende Internetforen dir erzählen, dass du nur mit Vollformat ein richtiger Fotograf wärst, ist das natürlich ausgemachter Bullshit. Du kannst mit jeder modernen Systemkamera völlig ausreichend fotografieren. Es sei denn, du bist Profi, hast dich auf ein bestimmtes Anwendungsfeld spezialisiert und/oder musst regelmäßig groß drucken. Aber dann wirst du diesen Text wohl kaum lesen. 🙂

Das System hängt von der Sensorgröße ab und im “Systemkamera-Hobbybereich” gibt’s im Endeffekt drei verschiedene Systeme. Hier zum Einstieg mal die verschiedenen Sensorgrößen:

Achtung: “Alte” Spiegelreflex-Anschlüsse wie Canon EF, Nikon F und Sony A-Mount ignoriere ich bewusst. Ich gehe davon aus, dass du spiegellos fotografieren willst. 😉 Canon wird in diesem Beitrag also quasi gar nicht vorkommen, da diese momentan kein zukunftssicheres, spiegelloses System im APS-C Format anbieten.

Sensorgrößen von Vollformat, APS-C (Nikon, Sony, Fuji), MFT und iPhone 12 Pro im Vergleich

Deine erste Reaktion: “Geilo! Her mit Vollformat!” Aber lies selbst…

1. Kleinbild, bzw. Vollformat

Den mit Abstand größten Bildsensor bekommst du, wenn du dir eine Vollformat-Kamera kaufst. Der Sensor ist 4x größer als ein MFT-Sensor. Ein größerer Sensor hat gewisse Vorteile für dich:

  • Das ISO-Rauschen (das erkläre ich dir hier!) ist signifikant geringer, als bei einem kleineren Sensor. Wobei das nicht ganz korrekt ist, es kommt nämlich auf die Pixeldichte und natürlich die Sensorqualität an. So kann das Rauschverhalten einer Sony A7R4 mit 61 Megapixeln schlechter sein, als das einer modernen APS-C-Kamera mit 16 Megapixeln. Aber grundsätzlich stimmt das schon. Wenn du also viel in der Nacht unterwegs bist und/oder mit vorhandenem Licht in Innenräumen fotografieren willst, dann eignen sich viele VF-Kameras dafür besser, als ihre Kollegen mit kleineren Sensoren.
  • Geringere Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe?!?). Das kann Vor- und Nachteil zugleich sein. Der Vorteil ist, dass du Motive besser freistellen kannst, als mit kleineren Sensoren. Der Nachteil ist, dass du stärker abblenden musst (und ggf. Tricks anwenden musst), wenn du eine durchgehende Schärfe im Bild haben willst.
  • Das Handling kann auch Vor- und Nachteil sein. Ich mit meinen großen Pranken schätze die Größe des Vollformat-Gehäuses, weil es mir besser in der Hand liegt. Manche, gerade kleinere Hände, tun sich jedoch schwer. Zitat des eingangs erwähnten Jemands, als er neulich meine Kamera in der Hand hielt: “Boah, da fällt mir ja beim Fotografieren der Arm ab!”
  • Denn die Größe hat auch einen entscheidenden Nachteil: Es ist schwer! Alles! Wo Kollege Hannoi seine “Mädchenkamera” gemütlich in die Bauchtasche packen kann, muss ich fast immer den ganzen Rucksack mitschleppen.
Vollformat kommt von “Rucksack-Voll-Format!”

2. Micro Four-Thirds

Das genaue Gegenteil des Vollformat-Sensors ist der MFT-Sensor. MFT ist im Endeffekt eine Partnerschaft zwischen (hauptsächlich) Olympus und Panasonic. Also wirst du hauptsächlich die Auswahl zwischen diesen beiden Marken haben, von wenigen, spezialisierten Drittherstellern abgesehen. Während Olympus beim Design gern die Retro-Schiene fährt und – z.B. mit ihren Pen-Kameras klar auch die weibliche Käuferschicht ansprechen will, ist Panasonic moderner designt, bringt aber ihre Allianz mit Leica mit ins Spiel, was dir ermöglicht, einige qualitativ fantastische Linsen zu erwerben.

  • Kameras und die meisten Objektive sind klein und kompakt. Hannois Olympus Pen E-PL 8 hat mit dem 9-18 Weitwinkel eine Gesamttiefe von 9 cm und wiegt nicht mal ein halbes Kilo. Meine Nikon Z6 (Vollformat) kommt auf ca. 15 cm und an die 1,5 kg.
  • Aufgrund des kleineren Sensors lassen sich besonders gute Bildstabilisatoren realisieren. Mit einer Olympus OM-D soll es möglich sein, 1 Sekunde aus der Hand zu belichten. Habe ich mangels Gerät nicht ausprobieren können.
  • Sowohl Kameras von Olympus, als auch von Panasonic sind nutzbar. Beide nutzen das MFT-Bajonett und können (fast) ohne Einschränkungen mit den Objektiven des jeweils anderen genutzt werden.
  • Weder Vor- noch Nachteil, aber man sollte es wissen: Wie der Name schon sagt, werden Bilder im 4:3-Format aufgenommen. Bei APS-C und Vollformat ist 3:2 Standard. Ich persönlich finde das 3:2-Format stimmiger, aber das ist Geschmackssache.
Ein Bild aus einer MFT-Kamera im 4:3-Format. © Hannoi
  • Das Rauschverhalten ist natürlich schlechter, als bei APS-C und Vollformat. Die Frage ist, ob das für dich eine Rolle spielt. Landschaftsfotografie findet eh größtenteils auf dem Stativ und bei niedrigstmöglichem ISO-Wert statt. Also ist es doch egal, dass die Bilder ab ISO 1.600 sichtbar rauschen. Aber auch hier kommt es auf den Einsatzbereich an. Wenn du viel low-light und ohne Blitz in Innenräumen fotografierst, oder viel Astrofotografie machen willst, ist MFT vielleicht nicht das Richtige für dich.
  • Ein Nachteil für mich ist, dass es zwar einigermaßen Auswahl im Ultraweitwinkel-Bereich gibt, aber fast alle Objektive kommen mit gekrümmten Frontlinsen. Das bedeutet, dass ich nicht einfach Schraubfilter nutzen kann, sondern ein Steckfiltersystem mit Adapter bräuchte, das a) teuer ist und b) sehr groß und sperrig ist. Sowas will ich bei einem kleinen und kompakten System ja eigentlich vermeiden.

3. APS-C

APS-C ist so ein bisschen ein Kompromiss aus beiden Extremen. Leider gibt es dort offenbar kaum Geld zu verdienen, weshalb sich viele Hersteller und dementsprechend das Marketing darauf eingeschossen haben, dass jeder Hobbyfotograf unbedingt Vollformat braucht. APS-C hat natürlich auch seine Vorteile:

  • Die Systeme und gerade die Objektive sind um Einiges kompakter, als ihre Vollformat-Kollegen. Nun kommt bestimmt jemand mit dem Argument “aber die Sony A7C…” um die Ecke. Ja, eine Vollformat-Kamera mit den Maßen einer (sehr kleinen) APS-C-Kamera. Für mich ist die Ergonomie einer solchen Kamera eine Katastrophe. Gerade wenn vorne ein 2 KG-Tele dran hängt, lässt sich das doch gar nicht vernünftig halten.
  • Auch mit APS-C-Kameras lassen sich Profiergebnisse realisieren. Viele professionelle Sport- und Tierfotografen waren jahrelang mit der Canon 7D unterwegs – eine APS-C-Kamera.
  • Mit der Kompaktheit gegenüber Vollformat geht auch ein weiterer Vorteil einher: Es ist bedeutend günstiger, an qualitativ hochwertige Objektive zu kommen.
  • Gegenüber dem MFT ist APS-C schon größer, aber gerade bei wenig Licht auch deutlich besser. Ohne unbedingt teurer zu sein.
Skyline von Frankfurt mit Eisernem Steg

Dieses Foto habe ich übrigens mit einer uralten APS-C-Kamera und einem ziemlich billigen Objektiv aufgenommen.

2. Die Kosten

Nun wirst du erstaunt sein, wenn ich dir sage, dass sich die Gebrauchtpreise für die Kameras gar nicht so arg unterscheiden. Du kriegst sowohl für APS-C, als auch für MFT schon für ~250€ brauchbare Kameras in der Bucht. Oft sogar mit Objektiv. Und auch die Sony Alpha 7 (Vollformat) kriegst du mittlerweile für 400€. Neu kriegst du für alle drei Sensorgrößen Kameras für ungefähr 1.500€. Aber bevor du jetzt begeistert eine Vollformat-Knipse in deinen Einkaufswagen packst, lies das hier: Während dieser Betrag bei MFT und APS-C eher das Ende der Fahnenstange markiert, bist du bei Vollformat in der Einsteigerklasse. Die Grenze ist nach Oben sowas von offen.

Kostentreiber ist übrigens nicht die Kamera, sondern das Glas. Klar, wo mehr Glas ist, muss mehr Glas bezahlt werden. Und geschleppt, aber das hatten wir ja schon. Ich habe mal etwas recherchiert und für jeden Sensortypen drei Arten Objektive rausgesucht. Einsteigerqualität, mittlere Qualität und die Profi-Linsen. Das habe ich für Olympus/Panasonic (MFT), für Sony APS-C, für Fuji APS-C und für Nikons neues Z-Mount im Vollformat getan. In den Einkaufswagen gewandert sind:

Ein Ultraweitwinkel-Zoom

Ein Standardzoom im Bereich 24-70mm Brennweite

Ein Telezoom

Eine “Porträtbrennweite” um 85mm und

Eine lichtstarke Festbrennweite um 35mm.

Sämtliche Brennweiten sind auf Vollformat umgerechnet, Erklärung zum so genannten Cropfaktor steht unten drunter.

Sämtliche Preise sind ungefähre Preise, recherchiert im November 2021 auf ebay-kleinanzeigen.de

Bevor wir nun zu den Objektiven kommen, hier die (schon etwas älteren) Kameras, die ich dafür rausgesucht habe:

KameraPreis der Kamera
Olympus OM 10 IIca. 200€ 
Sony A6000ca. 250€
Fuji X-T10ca. 220€
Ungefähre Preise für gebrauchte Einsteigerkameras aktueller Systeme

Wie erwähnt, ich gehe davon aus, dass du Einsteiger bist und keinen Haufen Geld ausgeben kannst/willst. Nach oben sind die Grenzen natürlich wie immer offen.

Man sagt zwar, dass der Fotograf das Foto macht und die Technik (fast) egal ist, aber wenn Technik einen Einfluss hat, dann das Objektiv immer mehr als die Kamera.

Heißt auf gut Deutsch: Die Kamera ist völlig unwichtig. Hauptsache das Ding funktioniert. Das Objektiv ist ungleich wichtiger. Es ergibt also durchaus Sinn, beim Body zu sparen und das verbliebene Budget in bessere Objektive zu stecken.

Beginnen wir mit Olympus. Beim Profi-Equipment nicht erschrecken, ich habe absichtlich die sündhaft teure (aber offenbar auch sündhaft gute) Panasonic-Leica 10-25 mit reingepackt.

Olympus/Panasonic MFT“Einstiegsqualität”ca. Preismittlere Qualitätca. PreisProfi-Objektiveca. Preis
Ultraweitwinkel-ZoomOlympus 9-18mm f4-f5.6350 €Panasonic Leica 7–14 mm f4.0490 €Olympus
7–14mm f/2,8 Pro
700 €
StandardzoomOlympus 14–42 mm f/3,5–5,670 €Olympus 12–40 mm f/2.8 Pro450 €Panasonic-Leica 10-25 f1.71.200 €
TelezoomOlympus 40–150 mm f/4.0–5.680 €Panasonic 35-100 mm F2.8450 €Olympus 40–150 mm f/2.8 Pro850 €
Porträt-Objektiv (ca. 85mm)Olympus 45mm f1.8140 €Olympus 45mm f1.2 Pro700 €Leica G Nocticron 42.5mm f1.2750 €
“35mm” FestbrennweiteOlympus 17mm f2.8115 €Olympus 17 mm f/1.8250 €Olympus 17 mm f/1.2 Pro700 €
Summe:755 €Summe:2.340 €Summe:4.200 €
Gebrauchtpreise verschiedener Objektive für das Micro Four-Thirds System

Weiter geht’s mit Sony E-Mount im APS-C-Format. Hier ist hauptsächlich die beliebte Alpha 6×00-Serie zu nennen, die es in verschiedenen Preis- und Ausstattungsstufen gibt.

Sony E-Mount APS-C“Einstiegsqualität”ca. Preismittlere Qualitätca. PreisProfi-Objektiveca. Preis
Ultraweitwinkel-ZoomSony SEL 10-18mm f/4.0450 €Tamron 11-20mm f/2.8650 €Sony SEL 12-24mm f/4.0 G*1.000 €
StandardzoomSony SEL 16-50mm f/3.5-5.675 €Sigma 18-50 f/2.8 (Neupreis)499 €Tamron 17-70mm f/2.8650 €
TelezoomTamrom 70-300 f/4.5-6.3400 €Sony SEL 70-350mm f/4.5-6.3 G600 €Sony SEL 70-350mm f/4.5-6.3 G600 €
Porträt-Objektiv (ca. 85mm)Viltrox AF 56mm f/1.4 (Neupreis)250 €Sigma 56mm f/1.4300 €Sigma 50mm f/1.4 Art450 €
“35mm” FestbrennweiteTamron 24mm f/2.8200 €Samyang 24mm f/1.8400 €Sigma 24mm f/1.4 Art*550 €
Summe:1.375 €Summe:2.449 €Summe:3.250 €
*eigentlich für Vollformat
Gebrauchtpreise verschiedene Objektive für das Sony E-Mount, Formfaktor APS-C

Jetzt das Fuji-System, ebenfalls APS-C. Hier kannst du alle aktuellen Fuji-Kameras mit X-Bajonett nehmen, denn anders als z.B. Sony oder Nikon, hat sich Fuji auf das Format APS-C spezialisiert.

Fuji X-Mount“Einstiegsqualität”ca. Preismittlere Qualitätca. PreisProfi-Objektiveca. Preis
Ultraweitwinkel-ZoomSamyang 10mm f/2.8 (Festbrennweite)250 €Fuji XF 10-24mm f/4.0550 €Fuji XF 8-16 f/2.8900 €
StandardzoomFuji XC 15-45mm f/3.5-5.6150 €Fuji XF 18-55 f/2.8-4.0300 €Fuji XF 16-55 f/2.8650 €
TelezoomFuji XC 50-230 f/4.5-6.7250 €Fuji XF 55-200 f/3.5-4.8500 €Fuji XF 50-140mm f2.8850 €
Porträt-Objektiv (ca. 85mm)Vitrox XF 56mm f/1.4 (Neupreis)329 €Fuji XF 50mm f/2.0325 €Fuji XF 56mm f/1.2 R650 €
“35mm” FestbrennweiteFuji XF 27mm f/2,8230 €Tokina AF 23mm f/1,4260 €Fuji XF 23mm f/1.4500 €
Summe:1.209 €Summe:1.935 €Summe:3.550 €
Gebrauchtpreise verschiedener Objektive für das Fuji-X-Mount

Wie du siehst, ist der Preis gar nicht so ein entscheidender Faktor, vor allem, wenn du nicht im Profisegment unterwegs bist. Deutlich wird es erst, wenn wir als Vergleich das Vollformat heranziehen. Vorhang auf für das Nikon Z-Mount:

Nikon Z-Mount“Einstiegsqualität”ca. Preismittlere Qualitätca. PreisProfi-Objektiveca. Preis
Ultraweitwinkel-ZoomTamron SP 15-30mm f/2.8**650 €Nikon Z 14-30mm f4900 €Nikon Z 14-24mm f/2.81.800 €
StandardzoomNikon Z 24-50 f/4-6.3350 €Nikon Z 24-70mm f4500 €Nikon Z 24-70mm f/2.81.500 €
TelezoomTamron 100-400mm f/4.5-6.3**450 €Tamron SP 70-200mm f/2.8**700 €Nikon Z 70-200mm f/2.82.300 €
Porträt-Objektiv (ca. 85mm)Nikon AF-S 85mm f/1.8**300 €Tamron 85mm f/1.8**500 €Nikon Z 85mm f/1.8550 €
“35mm” FestbrennweiteNikon AF-S 35mm f/1.8**300 €Sigma 35mm f/1.4 Art**500 €Nikon Z 35mm f/1.8650 €
Summe:2.050 €Summe:3.100 €Summe:6.800 €
** = F-Objektiv für FTZ-Adapter
Gebrauchtpreise verschiedener Objektive für das Nikon Z-Mount und das Nikon F-Mount

Konverter = Ermöglicht die Nutzung von Objektiven mit “fremden” Anschlüssen an der Kamera. Lohnt sich meist, wenn man außergewöhnlich gute Objektive, oder günstigere “alte” Objektive nutzen will.


Cropfaktor: Brennweiten bei (nicht auf) Objektiven werden immer als Vollformat-äquivalent angegeben. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, muss man den Cropfaktor, also quasi den ‘eingebauten Zoom’ des Bildchips berücksichtigen. Dieser ist von der Größe des Chips abhängig. Vollformat hat einen Cropfaktor von 1. APS-C Sony und Fuji 1,5 und Olympus/Panasonic, also der Micro-Four-Thirds Standard hat einen Cropfaktor von 2. Ein 9-18mm MFT-Objektiv hat also den gleichen Bildwinkel, wie ein 18-36mm Vollformat-Objektiv. 12mm an APS-C wären dementsprechend 18mm an Vollformat. Streng genommen gilt das auch für die Blende, auch die müsstest du entsprechend multiplizieren. Allerdings nur den “Bildlook” der entsprechend geöffneten Blendenzahl. Die Lichtmenge bleibt die, die auch auf dem Objektiv draufsteht.

Na? Vollformat immer noch im Einkaufswagen? Nochmal: Wenn du nur auf den Preis der Kamera guckst, springst du zu kurz. Übrigens sind nicht nur die Objektive teurer, sondern z.B. auch Filter. Größeres Filtergewinde (oder gar keins -> Steckfilter) = höhere Kosten. Da können schnell ein paar 100€ zusammen kommen.

3. Der Wohlfühlfaktor

Schon gewusst? Wir Deutschen lesen zu viele Tests. Deshalb fahren auch alle mit nem Golf durch die Gegend. Der Kofferraum ist 1cm breiter, als bei nem Toyota? Der verbraucht 0,1l weniger, als ein Peugeot? DAS MUSS ICH HABEN!11^^1!!! Die Kiste ist hässlich wie die Nacht finster und die Touchflächen-Bedienung beim Golf VIII ein Witz? Egal, aber der Kofferraum! Und 0,1 Liter!!!

Sch&%! auf die Tests! Jede Kamera kann vernünftige Fotos machen und wenn du tatsächlich Einsteiger bist, wirst du eh 80% deiner Kamera gar nicht ausreizen. Jede Wette. Deshalb gilt bei Autokauf und Kamerakauf: Wisch die Tests beiseite, nimm’s in die Hand und guck, wie du damit klarkommst. Probiere verschiedene Kameras aus, jede hat ihre Stärken und Schwächen in der Bedienung. Und dann schau, welche dir am besten in der Hand liegt und welche sich für dich am besten bedienen lässt. Wenn du also dem Marketing zum Opfer fällst, dir eine Sony Alpha 7 III kaufst und dann täglich über Bedienung und Qualität des Displays/Suchers fluchst, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. 😉

Ich bin von Sony (A-Mount) zu Nikon gewechselt und wo ich die Sony A77II nach nem halben Jahr noch nicht vernünftig bedienen konnte – die Nikon konnte ich nach einem Abend bedienen und meine letzte Nikon davor war ne Kompaktknipse (Coolpix ftw!) vor 15 Jahren. Was ich damit sagen will: Es ist ein Hobby und das soll dir Spaß machen. Da sind Bedienung und Haptik viel wichtiger, als das letzte Zehntel mehr Dynamikumfang, oder ein um drei Prozent geringeres ISO-Rauschen zum Vergleichsmodell.

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4. FAQ

1. Wenn ich in einem Laden eine Kamera ausprobiere, woran kann ich fest machen, dass die Kamera gut ist? Man hat ja nicht so viele Möglichkeiten sie zu testen. Gibt es etwas, worauf ich beim Kauf einer Kamera als Erstes achten sollte?

Ja, den Wohlfühlfaktor. Die Kamera muss dir Spaß machen und dich nicht nerven. Alles andere ist nebensächlich. 🙂

2. Gibt es Kameras mit internem Speicherplatz und wie wichtig ist das?

Gibt es, aber selbst dann sind sie nur einige MB groß und es passen 1-2 Fotos drauf. Interner Speicher ist also völlig unwichtig. Es gibt noch einen internen Puffer-Speicher, dort werden die Bilder zwischengespeichert, bis sie auf die Speicherkarte geschrieben werden. Die Größe des Puffers ist mit entscheidend dafür, wie viele Serienbilder du am Stück machen kannst, bis die Kamera langsamer wird.

3. Was ist die beste Kamera?

Gute Frage. 😀 Die beste Kamera ist die, die du sicher bedienen kannst und die dir Spaß macht. Heutzutage sind alle Kameras der großen Hersteller technisch gut, sodass es (fast) keine Rolle mehr bei der Kaufentscheidung spielt.

4. Wie entscheidend ist die Megapixel-Anzahl letztendlich?

Gar nicht. Bzw. fast gar nicht. Achtung, ketzerische Antwort: Es gibt Leute, die bilden sich ein, dass sie 45 oder gar 61 Megapixel unbedingt brauchen. 🙂 Wenn du nicht ständig hochauflösend und professionell drucken willst, brauchst du kaum 45 Megapixel.

Ein Beispiel zum Druck: Man sagt, Poster und sowas druckt man auf 150 oder 200 ppi (pixel per inch). Je mehr PPI, desto mehr Druckqualität hast du und desto mehr Auflösung brauchst du. Aber, bevor du in Panik verfällst: Mit 24 Megapixeln kannst du auf 90x60cm ausdrucken (was schon echt groß ist) und hast immer noch knapp 170 ppi.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dir mehr Megapixel auch mehr Reserven beim Bildzuschnitt bringen. Oder andersrum gesagt, mit weniger Megapixel musst du dein Motiv vor Ort akkurater auswählen, weil du in der Bildbearbeitung weniger Zuschnitt-Reserven hast.

5. Was genau ist der Unterschied zwischen einer spiegellosen Kamera und einer Spiegelreflexkamera bzw. was für Unterschiede merke ich beim Fotografieren oder beim Foto am Ende?

Beim Foto siehst du es nicht. Ob das Bild mit einer Spiegelreflex oder einer Spiegellosen gemacht wurde, sieht kein Mensch. Man kann sicher die Objektive voneinander unterschieden und je nach Kamera und Chip gibt es verschiedene Farbtöne/Farbnuancen, aber generell ist das keine Frage ob Spiegel oder nicht.

Der technische Unterschied ist, dass die Spiegelreflex über einen Spiegel verfügt. Und die spiegellose Kamera eben nicht. Soweit logisch, oder? 🙂

DER große Unterschied ist der Komfortgewinn bei spiegellosen Systemen. Es erlaubt dir die Nutzung eines elektronischen Suchers und wie beim Smartphone siehst du schon vorher das “fertige” Bild. Außerdem hast du eine Kantenanhebung im Display, die dir beim manuellen Fokussieren schon vor dem Auslösen zeigt, ob der Fokus sitzt. Der größte Vorteil ist allerdings, dass spiegellose Kameras weitaus kompakter gebaut werden können, im Vergleich zu ihren Spiegelbrüdern.

6. Gibt es Unterschiede was für eine Kamera man sich holen sollte, je nachdem was man fotografieren möchte? (z.B. Landschaft vs. Portrait/Menschen)

Ja, gibt es. Da sind wir wieder beim Sensor und seinen Eigenheiten. Ein größerer Sensor bietet mehr Freistellungspotential (z.B. Person vor unscharfem Hintergrund), was bei Portraits oftmals gewollt ist. Allerdings gibt es auch für kleinere Sensoren Objektive mit sehr großen Blendenöffnungen, (z.B. das Olympus 45mm Pro mit Blende 1,2 für MFT). Umgerechnet auf Vollformat wäre das eine Blende von 2,4. Nicht überragend viel, aber dennoch gut geeignet.

Andererseits haben kleinere Sensoren den Vorteil, eine größere Schärfeebene zu haben. Es wird also mehr vom Bild scharf, ohne dass ich die Blende (zu) weit schließen muss. Wenn man’s also auf eine einfache Faustformel runterbrechen will, dann Landschaft = kleinerer Sensor und Porträts = größerer Sensor.

7. Bonusrunde – Frage an Radio Eriwan: Schützt ein UV-Filter mein Objektiv?

Im Prinzip ja, aber nach einem Sturz kleine Glassplitter aus dem Objektiv pulen müssen, macht keinen Spaß.

Ernsthafte Antwort: Viele Verkäufer versuchen, dir zum Objektiv- bzw. Kamerakauf einen UV-Filter als “Schutz” für das Objektiv andrehen zu wollen. Meiner Meinung nach ist das Kokolores. Als mir im Sommer mein Objektiv aus dem Kofferraum gehüpft und auf dem Asphalt aufgeschlagen ist, war ich froh, kein “billiges Glas” in Form eines Filters vorn dran gehabt zu haben.

5. Checkliste zum Kamerakauf

Nun hast du einige Vor- und Nachteile von Kamerasystemen kennen gelernt. Es wird Zeit für eine Zusammenfassung und dafür habe ich eine Checkliste gebastelt.

Die Checkliste kannst du dir hier herunterladen und ausdrucken, bzw. umweltschonend auf dem Smartphone am Start haben und damit in den Fotofachmarkt deiner Wahl laufen. Ich bin gespannt, was dir angeboten wird.

Link zu Google Docs

6. Warum System XY?

Warum habe ich mich letztlich für eine Vollformat-Kamera entschieden? Habe ich nicht. Ha! Ich habe mich für Nikon entschieden, weil mir dort die Bedienung am besten gefallen hat. Nikon hat spiegellos zwar auch APS-C-Kameras, aber die Objektiv-Auswahl war zum Zeitpunkt des Kaufs (und ist es heute noch) ein ziemlicher Witz. Ja, ich könnte doch mit dem tadellos funktionierenden FTZ-Adapter Linsen für das alte Nikon-Bajonett adaptieren, aber ich entschiede mich ja für APS-C, weil ich vergleichsweise kompakt sein will und der Adapter hätte das ad absurdum geführt. Vollformat war also bei mir eher notwendiges Übel und mit Größe und Kosten ist es Fluch und Segen zugleich.

Ich habe Hannoi gefragt, warum er sich für MFT entschieden hat: “Die Gründe waren ja naheliegend. Große Auswahl an Objektiven, auch genug Kameras für den Fall, dass mir meine mal nicht mehr gefällt, dazu halt praktisch. Wie leicht man so eine Kamera samt Weitwinkel ins Stadion bekommt durfte man ja in Essen und Wuppertal schon sehen. 😃”

Warum würde ich mich für ein APS-C-System entscheiden? Weil der Sensor groß genug ist, die Kamera aber kompakter ist. ISO ist für mich (selten) ein Thema und wenn doch, war ich zu faul, den Fernauslöser und/oder das Stativ auszupacken. Weil ich ehrlich gesagt die Preise für die neuen Nikon-Z-Vollformatlinsen derbe unterschätzt habe. Weil mich diese Adapterei bei Nikon Z nicht wirklich abholt und eher nerviges Übel ist. Würde ich jetzt ein neues System kaufen (müssen), würde ich mit ziemlicher Sicherheit zu APS-C gehen. Würde ich sagen, ich brauche Vollformat, würde ich mir in die Tasche lügen.

So, deine Entscheidung. Frag also nicht, “welche Kamera soll ich mir kaufen”, sondern frag dich selbst, welche Kamera dir am besten taugt.

Welches System hast du und warum hast du dich dafür entschieden? Schreib’s doch mal unten drunter!

2 Kommentare

Mensch Oli… ich hack doch gar nicht. 😀 Klar sind das Top-Kameras, hab ich ja auch nie bestritten. Ich persönlich finde nur die Bedienung furchtbar. Hatte ja vorher ne Sony A-Mount und dann zwangsläufig das E-Mount ausführlich probegespielt, bevor ich mich letztlich Nikon an den Hals geworfen habe. 😉
Und wenn ich auf was rumhacke, dann eher auf dem endlosen Technik-Gesabbel (und locker 70% auf YT ist nun mal Sony-Content) und dass es viele eben verunsichert.

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